Der Papst ist in Deutschland gelandetBenedikt XVI. wird von Bundespräsident Horst Köhler herzlich begrüßt (Foto: ddp)
Papst Benedikt XVI. ist in Deutschland eingetroffen. Joseph Ratzinger landete um 11.54 Uhr bei strahlendem Sonnenschein auf dem Flughafen Köln-Bonn. Er kam aus Rom mit einer Maschine der italienischen Fluggesellschaft Alitalia. Mehrere hundert Zuschauer klatschten und jubelten bei der Landung.
"Ein großer, ein schöner Tag für uns alle"
Auf dem Flughafen erwarteten Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder das Kirchenoberhaupt von weltweit rund einer Milliarde Katholiken. "Wir freuen uns, dass Sie Ihre erste Reise hierher nach Deutschland unternehmen", sagte Köhler. "Das ist ein großer, ein schöner Tag für uns alle."
"Tief empfundener Dank"In einem Grußwort betonte der Papst seine Freude, "auf dem Boden meines lieben Vaterlandes Deutschland" zu stehen. Er sage Gott "tief empfundenen Dank", dass er seine Besuche außerhalb der Grenzen Italiens gerade in seinem Geburtsland und zu einem so Frieden stiften Anlass beginnen dürfe. Für Benedikt XVI. ist es die erste Auslandsreise nach seiner Wahl zum Papst am 19. April als Nachfolger von Johannes Paul II.
"Ich bin tief bewegt"Im Mittelpunkt des viertägigen Deutschlandbesuchs steht der Weltjugendtag in Köln mit mehr als 400.000 Jugendlichen aus fast 200 Ländern. "Ich bin tief bewegt und danke Gott für diese Gelegenheit", sagte Ratzinger vor dem Abflug. Das Treffen der jugendlichen Gläubigen in Deutschland sei "ein Zeichen des Friedens".
Ansprache vom Rheinschiff ausMit Spannung wird erwartet, ob die gut 400.000 jungen Pilger in Köln den neuen Papst ähnlich begeistert empfangen werden wie dessen verstorbenen Vorgänger Johannes Paul II. bei den zurückliegenden Weltjugendtagen. Erster Höhepunkt des Papstprogramms wird am Nachmittag eine Schifffahrt auf dem Rhein sein mit einer Ansprache vom Boot aus auf Höhe der Poller Rheinwiesen. Anschließend besucht Benedikt XVI. den Kölner Dom. Er wird vor dem Dom zu den Gläubigen sprechen und danach mit dem Papamobil durch die Kölner Innenstadt fahren. Hunderttausende werden das Rheinufer und die Straßen säumen.
Höchste Sicherheitsstufe in der Domstadt
In Köln herrscht höchste Sicherheitsstufe. Im Stadtgebiet sind 4000 Polizisten im Einsatz. "Die Stadt ist ganz voll, voller als erwartet", sagte ein Polizeisprecher mit Blick auf die große Pilgerschar. Die Lage sei aber ruhig. Am Nachmittag wird der Schiffsverkehr auf dem Rhein für mehrere Stunden gesperrt, wenn der Papst zu seiner Rheinfahrt startet. In den vergangenen Wochen hatte die Polizei den Fluss mehrere Male abgesucht, die Poller Wiesen seien von gefährlicher Weltkriegsmunition befreit worden, hieß es.
Chaos am Kölner HauptbahnhofNach dem Chaos am Kölner Hauptbahnhof in der Nacht zum Donnerstag wollen die Verantwortlichen zum Papstbesuch ein neues Maßnahmen-Konzept absprechen. Der nicht abreißende Strom junger Pilger des Weltjugendtags hatte am späten Abend am Hauptbahnhof ein Chaos ausgelöst. 19 erschöpfte italienische Pilger im Alter von 20 bis 30 Jahren hatten Kreislaufzusammenbrüche erlitten, zehn von ihnen mussten vorübergehend in ein Krankenhaus gebracht werden.
Bischöfe erklären katholischen GlaubenIn mehr als 100 Katechesen erläuterten Bischöfe den Pilgern des Weltjugendtags den katholischen Glauben. In Kirchen, Konzertsälen und Messehallen kamen junge Gläubige in Köln, Bonn, Düsseldorf und Umgebung zu den Unterweisungen in vielen Sprachen zusammen. Bis Freitag nehmen alle Pilger aus 197 Ländern an einer solchen Katechese teil.
Domwallfahrt im MittelpunktNeben den Katechesen bildet die Domwallfahrt das zweite spirituelle Herzstück des Weltjugendtags. Zu Fuß gehen die jungen Leute zur Kathedrale, in der religiöse Musik die Grundstimmung verstärkt. In kurzer Zeit strahlen die Lichtertische an den Nebenaltären, etwa für den Heiligen Antonius oder die Gottesmutter Maria im Kerzenschein. Viele Jugendliche zünden Kerzen an und beten. Warum pilgern 400.000 Jugendliche nach Köln? "Man spürt, man ist mit seinem Glauben an Jesus Christus nicht allein", sagt die 18-jährige Julia.
Köhler: "Kein Griesgram-Klima"Die Weltjugendtagsstimmung packt auch Horst Köhler, den Bundespräsidenten. Er besucht das "Globale Dorf" der Katholischen Landjugendbewegung in Bonn. "Hier ist kein Griesgram-Klima zu beobachten, sondern schlicht Begeisterung und ein großes Interesse am Andern." Es gebe zwar auch Jugendliche mit einer "Null-Bock-Haltung". Vorherrschend seien aber positive Einstellungen. "Ich bin nicht zu belehren, dass wir keine Chance haben sollten, eine bessere Welt zu schaffen." Mit ihrem Engagement könnten die Jugendlichen dazu beitragen.
Gruß Moya 