Juncker: EZB und Euro-Länder bereit zur Euro-Rettung -
Zeitung
Kategorie: Marktberichte (Dow Jones) | EZB-Nachrichten
(Dow Jones) | Uhrzeit: 20:17
Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Länder der
Eurozone sind nach den Worten von Eurogruppen-Chef
Jean-Claude Juncker bereit, den Euro in seinem Bestand zu
erhalten. "Welche Maßnahmen wir ergreifen werden,
entscheiden wir in den nächsten Tagen", sagte Juncker der
Süddeutschen Zeitung. "Wir haben keine Zeit mehr zu
verlieren." Luxemburgs Premier deutete an, dass der
Rettungsfonds EFSF und die Europäische Zentralbank
(EZB) spanische Staatsanleihen kaufen werden, nachdem
auf dem Euro-Gipfel im Juni der Weg für Bondkäufe durch
den EFSF frei gemacht wurde. "Ich habe keinen Zweifel,
dass wir die Beschlüsse des letzten Gipfels umsetzen",
sagte Juncker.
Es sei noch zu entscheiden, was genau wann gemacht
werde. "Das hängt von den Entwicklungen der nächsten
Tage ab und davon, wie schnell wir reagieren müssen",
erklärte der Politiker. "Wir handeln zusammen mit der
Europäischen Zentralbank, ohne deren Unabhängigkeit
anzutasten. Ich will nicht Erwartungen schüren. Aber ich
muss sagen, wir sind an einem entscheidenden Punkt
angekommen."
In den vergangenen Tagen hatte es in Medienberichten
geheißen, dass EZB und Euro-Staaten eine konzertierte
Aktion zum Kauf spanischer und italienischer
Staatsanleihen planten. EZB-Präsident Mario Draghi hatte
angekündigt, "im Rahmen unseres Mandats alles
Erforderliche" zu tun, um den Euro zu retten. Beobachter
deuteten die Äußerungen als Hinweis darauf, dass die EZB
wieder Staatsanleihen von Krisenländern wie Spanien und
Italien aufkaufen will, was deren Refinanzierungskosten
senken würde. Voraussetzung für Staatsanleihekäufe des
Rettungsfonds ist jedoch ein Hilfsantrag Spaniens.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wies Gerüchte
über einen baldigen Antrag Spaniens zum Ankauf seiner
Staatsanleihen durch den EFSF jedoch zurück. "Nein, an
diesen Spekulationen ist nichts dran", sagte der Minister
der Welt am Sonntag.
Spanien steht derzeit neben Griechenland im Zentrum der
Sorgen von Marktbeobachtern. Das Land leidet trotz großer
Reformanstrengungen unter dem wachsenden Misstrauen
der Investoren. Die Renditen auf zehnjährige spanische
Staatspapiere hatten in den vergangenen Wochen die
kritische Marke von sieben Prozent überschritten und
waren erst Ende vergangener Woche deutlich
zurückgefallen. Vor allem die Äußerungen Draghis, alles
Erforderliche zu tun, hatten die Märkte beruhigt.
Die Welt rede darüber, so Juncker in seinem Interview
weiter, ob es die Eurozone in einigen Monaten noch
gebe. ,,Niemand sollte an dem Willen der teilnehmenden
Kräfte zweifeln, die Entschlossenheit unter Beweis zu
stellen", sagte der Eurogruppen-Chef der Süddeutschen
Zeitung.
Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com
DJG/kla/hab