Förtsch ist nicht der einzige.
In den vergangenen Monaten sind eine Reihe jener Börsenpropheten in die Öffentlichkeit zurückgekehrt, die während des High-Tech-Booms zur Jahrtausendwende die Schlagzeilen der Börsenmagazine und Sendungen einschlägiger Fernsehprogramme beherrschten. Geändert hat sich nur die Art der Selbstpräsentation, die Inhalte sind fast gleich - und verfangen wieder.[…]
Das klingt nach leichter Kost für den Zuschauer. Und die bietet auch
Markus Frick. Der Bäckermeister aus dem badischen Sinsheim war ebenfalls einer jener Wortführer des glanzlos verschiedenen Neuen Marktes und schrieb Bücher mit Titeln wie "Ich mache Sie reich". Heute tingelt er mit Finanzseminaren durch die Republik und verkauft seine Tips auf allen Kanälen. Sein E-Mail-Service kostet 890 Euro im Jahr, das SMS-Abo gibt es für 360 Euro, den wöchentlichen Börsenbrief Markus-Frick-Inside für 398 Euro. Dazu gibt es auch noch CDs und DVDs.
Sein Trick ist es, möglichst kleine Aktien, mit geringen Umsätzen zu empfehlen. Da er eine gläubige Anhängerschar hat, werden diese Papiere dann eifrig gekauft und der Kurs steigt wie von allein. So konnte er sich 2005 brüsten, binnen eines Jahres den Wert seines Musterdepots um erstaunliche 1300 Prozent gesteigert zu haben.
Auch
Egbert Prior (Anm. war seinerzeit im Fernsehsender 3sat in der Börsensendung aktiv) faszinierte zu den wilden Zeiten des Börsenbooms ein Massenpublikum. Nun ist er sogar selbst an die Börse gegangen. Seit rund drei Wochen notieren die Aktien der Prior Capital AG an der Frankfurter Börse. Mehr als fünf Millionen Euro hat er mit dem Börsengang eingesammelt, die er nun in verschiedene Anlageinstrumente investierten will, ähnlich wie ein Hedge-Fonds-Manager. Damit will er sich "in der Realität beweisen", wie er sagt.
Die 2,6 Millionen Anteile an dieser "Beteiligungsgesellschaft", wie das Unternehmen sich nennt, wurden zu zwei Euro das Stück ausgegeben. Schon kurz danach schoß der Kurs bis auf 2,70 Euro hoch, um danach wieder bis auf 2,10 Euro abzufallen - ein Kursverlauf, wie er von vielen "brandheißen Tips" der Börsengurus bekannt ist.
Die Experten sehen deren neues, altbekanntes Treiben sehr kritisch. "Das hat es alles bereits zu Zeiten des Neuen Marktes gegeben", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Auch Wolfgang Gerke, Professor für das Börsenwesen an der Universität Erlangen, kritisiert die neue Euphorie um die Aktientipgeber. "Das ist genau das, wonach der Kleinanleger sucht. Er will von einem vermeintlichen Experten die Einschätzung hören, ob er die Aktie kaufen und mit welchem Kursziel er sie kaufen soll", sagte Gerke. Bei großen, schweren Titeln seien Aktientips in der Regel kein Problem. Bei kleinen, marktengen Werten werde es jedoch schnell zu riskant für den unbedarften Privatanleger.
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Artikel erschienen am 23. July 2006, Welt am Sonntag
Dazu passt ein Artikel in Börse Online vom Juli 2006
Liebe Leserin, Lieber Leser[15:24, 12.07.06]Die italienischen Fußballer zögerten ihren WM-Aufenthalt bis ins finale Elfmeterschießen hinaus, denn sie wussten: Daheim wartet die Staatsanwaltschaft. Seit Wochen ermittelt sie im Wett- und Betrugsskandal in der Serie A, vergleichbar mit der hiesigen Bundesliga. Auf einige der traditionsreichen italienischen Vereine und auf etliche frisch gebackene Weltmeister wartet der Abstieg - sogar bis in die Drittklassigkeit.
Wo es um viel Geld geht, versuchen immer wieder ein paar ganz Schlaue, noch leichter noch mehr Geld zu verdienen. Das ist im Fußball so und leider auch an der Börse. So gingen jüngst wieder Meldungen durch die Presse, wonach ein Redakteur eines Magazins gleichzeitig privat einen Börsenbrief verantwortet und in beiden Medien äußerst marktenge Papiere als Kursraketen der Zukunft feierte.
Für alle, die der Empfehlung gefolgt sind, gilt: Erst angelockt und dann abgezockt. […]
http://www.boerse-online.de/intern/heft/editorial/484623.htm… 