Kombi-Lohn vs. BGE...

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Tony Ford: Kombi-Lohn vs. BGE...
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05.07.12 21:30
#1
Aus einer Anregung in einem anderen Thread heraus, möchte ich mal Kombi-Lohn und das bedingungslose Grundeinkommen mal zur Konkurrenz zueinander stellen und darüber diskutieren.

Fakt ist, dass die abnehmenden vor allem einfachen Arbeiten angesichts immer tiefgreifender Automatisierung, sich immer weniger Menschen immer weniger Arbeitsplätze teilen müssen.

Über kurz oder lang wird es wohl BGE oder Kombi-Lohnmodelle geben, welche es ermöglichen sollen, dass sich mehr Arbeiter einen Arbeitsplatz teilen können und trotzdem ein Auskommen haben.

Die Gefahren sehe ich jedoch, dass der Kombi-Lohn dazu mißbraucht wird, dass Personalkosten quasi "verstaatlicht" werden, denn wer will darüber entscheiden, für welche Arbeit es wie viel Kombi-Lohn vom Staat gibt?
Dem Lobbiismus ist dabei wohl Tür und Tor geöffnet Niedriglöhne sowie schlechte Unternehmenskonzepte am Markt etwas besser durchsetzen zu können.

Daher bin ich beim Kombilohn skeptisch und fände ein bedingungsloses Grundeinkommen für die bessere Alternative, weil es gleiches Recht für alle Branchen und Menschen enthält und zudem der bürokratische Aufwand deutlich geringer und mit dem BGE könnte man viele teure Bürokratie abbauen, wie z.B. das Rentensystem, Sozialsysteme jeder Art, Kindergeld, usw.
Weiter löst es Bildungsproblematiken, denn viele Menschen fehlen die Möglichkeiten um sich weiter zu bilden, weil sie nicht selten ziemlich stark an ihrem Job gebunden sind, Überstunden machen müssen und sich eine Weiterbildung nicht selten gar nicht in den Arbeitsalltag integrieren lässt.
Welcher Chefe wird wohl seinen Mitarbeiter regelmäßig von der Arbeit freistellen, wenn die Auftragslage gerade jeden Mitarbeiter braucht.

Ich kenne in meinem Arbeitsumfeld eine Vielzahl von Kollegen, welche gernen einen höheren Bildungsabschluss anstreben würden, wenn sie dazu auch die Zeit bekämen.

Das BGE sehe ich daher als eine höhere individuelle Flexibilität und deutlich weniger Bürokratie.

Kritische Stimmen behaupten, dass das BGE dazu führen würde, dass immer Weniger noch arbeiten gehen werden.
Hierzu muss man jedoch bedenken, dass spätestens wenn Niemand mehr z.B. Energie oder Wasser bereitstellt, die Preise explodieren würden und das BGE für eine Erhaltung des Wohlstands bzw. Lebensstandards nicht mehr reichen würde.

Des Weiteren will die Mehrheit der Menschen gerne arbeiten und viele Arbeiter arbeiten an sich sogar gerne in ihrem Beruf, WENN da die Bedingungen stimmen würden.
Oftmals sind es nicht mal die Jobs, sondern vielmehr die Bedingungen, welche einen Arbeitsplatz unattraktiv machen.
D.h. der eingefleischte Bauarbeiter arbeitet an sich nicht ungern auf dem Bau, wenn er eben statt der 43h-Woche eben nur 28h arbeiten müsste und einen Tag mehr Freizeit bzw. Erholung haben könnte.

Das BGE ist somit auch eine mögliche Antwort auf die Rentenproblematik, da man die Fachkfräfte nicht so stark "verschleißen" würde und Menschen deutlich länger arbeiten gehen könnten.

Ihr seid also eingeladen um über diese Thematik mit zu diskutieren.
windot: Ich glaube mittlerweile, dass die richtig Reichen,
5
05.07.12 21:45
#2
also die wirklich richtig Reichen, es ganz gut finden, wenn der Pöbel sich mit billigsten Jobs rumschlagen muss! Dann ist er beschäftigt, der Pöbel und kommt nicht auf dumme Gedanken.
Dr.Bob: Pöbel... ? wo ist E... ??
 
05.07.12 21:46
#3
Karlchen_V: In einem Jahr: 1000 Euro BGE.
 
05.07.12 22:26
#4
Hat nur einem klitzekleinen Haken - in einem Jahr hat nur noch Griechenland den Euro.
kiiwii: und wir ?
 
05.07.12 22:54
#5
Never get so busy making a living, that you forget making a life.
Karlchen_V: Wir haben deren Schulden an der Backe.
 
05.07.12 23:05
#6
kiiwii: dann halten wir es mit Helmut Schmidt und werfen
 
06.07.12 00:06
#7
unser Herz über die Hürde (und helfen ihnen, sie zu tilgen...)
Never get so busy making a living, that you forget making a life.
Monti Burns: Helmut Schmidt ist alt, sehr alt !
 
06.07.12 01:24
#8
Da läßt sich sowas leicht fordern. Wenn ich sehr alt wäre und/oder
sehr hohe private Schulden hätte, dann würde ich wohl auch so reden.
Wer nix hat, ausser Schulden, dem kann man auch nix wegnehmen.

Darum kommt es derzeit auch nicht zu massiven Protesten innerhalb
der deutschen Bevölkerung. Es gibt schließlich weit mehr Schuldner
als Gläubiger. :-)
Peter Silie: wir müssen keine Schmidt-Anhänger sein....
4
06.07.12 09:29
#9
... aber wir dürfen ihm schon zugestehen, daß er seine Gehälter als Senator, Minister
und Kanzler verdient hat und mit seinem verdienten Geld (und mit Staatsvermögen) umzugehen wußte.

Alter ist weder Schande noch Krankheit. Ich wünsche JEDEM von uns
a) dieses hohe Alter
b) bei seinem Gesundheits- und Geisteszustand zu erreichen.

Zumindest respektvollen Umgang hat sich Schmidt verdient.
Radelfan: #8: Ich weiß zwar auch nicht, ob Helmut Schmidt
2
06.07.12 09:48
#10
die von dir in den Raum gestellten privaten Schulden hat, kann es mir aber auch nicht vorstellen.

Er wohnt seit vielen Jahrzehnten in einem nicht sehr "berühmten" Hamburger Stadtteil in einem ganz normalen Reihenhaus. Wir können wohl davon ausgehen, dass dieses aufgrund der Einkünfte von Helmut Schmidt mittlerweile auch abbezahlt ist!

Da von anderen großen Geldanlagen o.ä. bei ihm nie die Rede war, sollte man davon ausgehen, dass der Alt-Bundeskanzler zumindest keine ungesicherten Verbindlichkeiten hat.

Nebenbei hat er sich auch noch als großzügiger Spender hervorgetan. Dass dies auf Pump geschah, ist wohl kaum anzunehmen.

Im Übrigen stimme ich der Aussage von @Peter Silie vollinhaltlich zu!
Meine Forderung: Stabiler Server und Entfernung ALLER Bilder, weil sie nur vom Text ablenken.
Evermore: @Tony Ford
 
06.07.12 19:55
#11
Ergänzend zu meinem gestrigen Posting und in Bezug auf #1.

Beim BGE wird doch oft gesagt, dass es ungefähr 1.200 Euro im Monat (pro Erwachsenem) ausmachen würde. Nicht wenige Leute die heute arbeiten gehen verdienen kaum mehr oder wären jedenfalls mit einem solchen Betrag zufrieden. Diese würden möglicherweise aufhören zu arbeiten und zu Hause bleiben. Ich vermute, dass diese Maßnahme den Arbeitsmarkt für viele einfache Arbeiten zerstörte bzw. dann nur noch illegal in Deutschland lebende die keinen Anspruch auf BGE haben diese Arbeiten erledigen würden. Ich vermute auch, dass für die Verteilung dieses Einkommens eine gewisse Bürokratie nötig wäre, denn es wird Missbrauch geben, den Kontrolleure eindämmen müssen. Auch würde es zum Zuzug von EU-Bürgern aus Nachbarländern kommen, die sich in Deutschland niederlassen und denen als in Deutschland lebende EU-Bürger das BGE nicht ewig vorenthalten werden kann.

Die größte Problematik sehe ich darin, ca. 67 Millionen Erwachsenen in Deutschland monatlich 1.200 Euro auszuzahlen. Ich vermute, es würde zum sofortigen Zusammenbruch des Sozialstaats kommen.

Kombi-Lohn gibt es in einem weniger entwickelten Sinne schon heute, über die Sozialhilfe. Die Empfänger dieser Hilfe werden abfällig "Aufstocker" genannt und vor allem von Seiten der Gewerkschaften findet eine Stigmatisierung statt, die den Betroffenen nicht hilft. Es wird so getan als sei Kombi-Lohn anrüchig (dabei ist es eine Folge der strukturellen Probleme die es auf dem Arbeitsmarkt nun einmal gibt). Außerdem ist der Kombi-Lohn der Sozialhilfe nicht genug mit Anreizen versehen, etwa dass der Arbeitnehmer umso mehr behalten darf, je mehr der Unternehmer vom Lohn zahlt (so dass der Arbeitnehmer ein Interesse hat dort zu arbeiten, wo der Unternehmer möglichst viel beiträgt).

Bei keinem Modell werden Kosten in einem so hohen Maße verstaatlicht wie beim BGE oder der Sozialhilfe für Leute, die zu Hause sitzen. Auch beim Mindestlohn werden Kosten in einem viel höheren Maße verstaatlicht als beim Kombi-Lohn. Dies deshalb, weil beim Mindestlohn gewisse Arbeitsplätze gar nicht erst entstehen und die Betroffenen als Langzeitarbeitslose beim Arbeitsamt stempeln.

Beim Kombi-Lohn kann nahezu jeder im Beruf seines Wunsches unterkommen, solange er einen Arbeitgeber findet, der ein entsprechendes Unternehmen unter weitgehendem Wegfall der Lohnkosten rentabel betreiben kann.

Im Grunde erhöht sich die Qualifikation der Arbeitnehmer während des Berufslebens durch die wachsende Berufserfahrung automatisch, auch wenn der Arbeitgeber die Teilnahme an speziellen Weiterbildungsmaßnahmen nicht erlaubt. Wobei natürlich ein Arbeitgeber der sich verweigert kein großes Interesse an seinen Mitarbeitern zeigt.

In den Niederlanden gibt es inzwischen Sozialhilfe nur noch für die, welche einer Arbeit nachgehen. Der Staat stellt entsprechende Arbeitsplätze bereit, falls der Sozialhilfeempfänger keine Stelle findet.

Es gab schon mal so eine Diskussion, an der ich mich kurz beteiligt habe ("Mindestlohn: Pro und Contra")...

http://www.ariva.de/forum/...-Pro-und-Contra-452442?page=5#jumppos146
Monti Burns: Niemand hat behauptet, dass Schmidt Schulden hat
 
07.07.12 01:53
#12
Bitte genauer lesen.   ICH alt wäre   UND/ODER  ..... Schulden hätte
Monti Burns: ....kann man aber so interpretieren :-(
 
07.07.12 01:57
#13
War aber anders gemeint. Schlecht formuliert ! Früh morgens, na ja
mod: Lieber Monti
 
07.07.12 01:59
#14
So spät, da sinkt die Lesefähigkeit.

Grüsse
m.

(btw. alles ist so verschwommen, warum?)
Bei Ariva gibts seit 2000 nur einen mod
Monti Burns: Verschwommen ! Eurozone im Nebel !
 
07.07.12 02:06
#15
Wir fahren auf Sicht (Schäuble und Merkel)

Ob das mal gut geht ?
Kronios: ever: DIe BGE-Diskussion ist für die Katz
 
07.07.12 02:12
#16
man hat hier 10$per Monat Zuweisungen an Dörfler in Afrika auf Industriestaaten einfach übernommen.
Natürlich wäre der Zuzug gross... theoretisch.. praktisch gibt es in Spanien keine Sozialhilfe... wieviele Millionen Spanier sind gekommen??? Kaum welche... weil sie die deutsch-übliche Gesetz-Gängelung des Bürgers fürchten--- Obwohl sie das Recht hätten, nach Deutschland zu kommen, und auch das Recht zu kassieren. Das wäre nicht das Prob.

Das Prob ist, dass die derzeitige deutsche Regelung telweise arbeitende Leute schlechter stellt als unlustige. BGE würde das genauso machen. Beelzebub mit dem Teufel austauschen?? Egal.

Erfolgreiche Lösungen in bitterarmen Wirtschaften 1:1 auf First-World (wie man das blöd nennt) Gesellschaften umzumünzen funktioniert nicht.
Da kann man rechnen, wie man will.
a) Vertraue niemals irgendwelcher Hardware
b) Ändere niemals irgendetwas am Computer
Tony Ford: nein...
 
07.07.12 11:10
#17

Das Prob ist, dass die derzeitige deutsche Regelung telweise arbeitende Leute schlechter stellt als unlustige. BGE würde das genauso machen. Beelzebub mit dem Teufel austauschen?? Egal.

Der Schuldige ist nicht die Regierung, sondern die Unternehmen und teils sinkenden Reallöhne.

Ich finde es einfach pervers, dass man von Arbeit nicht mehr leben kann und noch perverser, wenn man das Sozialsystem nach der Lohnsklaverei ausrichtet.

Es ist doch wichtig, dass man seine Bürger vor Lohnsklaverei schützt und der absolut falsche Weg bei den Betroffenen Existenzängste zu schüren und zu provozieren und die Arbeitslosen damit in die Lohnsklaverei zu treiben.

Und auch der Kombi-Lohn und die Aufstockung der Löhne finde ich für falsch und fatal, denn dies öffnet dem Mißbrauch Tor und Tür.

Z.B. wenn ein Unternehmer ein schlechtes Konzept hat, dann braucht er nun nur noch die Löhne halbieren und verschafft sich somit ein wenig mehr finanzielles Polster. Der Staat zahlt dann dafür, dass der Unternehmer ein schlechtes Konzept hat und dies am Leben halten kann.

Ein Konkurrent hingegen hat ein gutes Konzept, bezahlt seine Mitarbeiter akzeptabel, bezieht keine Aufstockung, leidet aber darunter, dass der Konkurrent mit dem schlechteren Konzept überleben und die Preise insgesamt niedrig halten kann.

Wie man sowas fair regeln will ist mir schleierhaft und man braucht nicht viel Fantasie, dass sowas hohen teuren bürokratischen Aufwand bedeutet.

Das BGE hingegen würde pauschal ausgezahlt den bürokratischen Aufwand nahezu auf Null reduzieren, denn ein Mißbrauch ist nahezu ausgeschlossen.

Des Weiteren muss man ja nicht gleich mit 1200€ im Monat anfangen, wie wäre es sich mal eine Summe von 300€ vorzustellen?

So zieht dann auch nicht das Argument, dass dann Niemand mehr arbeiten geht.

Im Übrigen halte ich es für eine falsche Annahme, dass Menschen dann nicht mehr arbeiten gehen wollen. Projekte bzw. Regionen in denen das BGE zum Test lief, konnte man eher das Gegenteil beobachten, denn die Menschen waren durch bessere Perspektiven deutlich motivierter.

Natürlich werden die Unternehmen dann weniger "Handhabe" haben um Menschen in die Lohnsklaverei führen zu können, doch da müssen sich eben die Unternehmen bzw. Wirtschaft anpassen, u.a. zum Wohle der erfolgreich geführten Betriebe, welche ihre Leute in der Regel akzeptablen Lohn zahlen.

 


 
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