US-Blockade nun auch in Europa
Hotel in Norwegen will keine Kubaner unterbringen. Regierung in Oslo protestiert
Von Harald NeuberDie Blockade der USA gegen das sozialistische Kuba sorgt in zunehmendem Maße auch in Europa für Probleme. Nachdem eine kubanische Delegation aufgrund ihrer Herkunft in einem norwegischen Hotel abgewiesen wurde, will die Regierung in Oslo nun gegen die völkerrechtlich illegalen Bestimmungen protestieren. Die US-Blockadegesetze wurden mit dem »Helms-Burton-Gesetz« 1996 auch auf Unternehmen in Drittstaaten ausgeweitet, sofern sie Verbindungen in die USA haben.
Zum dem Eklat kam es, nachdem ein Hotel der norwegische Kette »Scandic Edderkoppen« 14 Vertreter kubanischer Tourismusunternehmen abgewiesen hatte. Geir Lundkvist, ein Sprecher der Hotelkette, begründete die Entscheidung in der vergangenen Woche mit den US-Blockadebestimmungen, an die sein Unternehmen gebunden sei, nachdem die 136 Scandic-Hotels in zehn meist nordischen Staaten Europas im vergangenen März von der US-amerikanischen Hilton-Gruppe aufgekauft worden war. In den vier Jahren zuvor waren die kubanischen Tourismusvertreter stets in diesem Hotel im Zentrum von Oslo untergekommen, um an einer Fachmesse der Branche im nahen Lilleström teilzunehmen.
Der Protest der norwegischen Regierung auf die Ausquartierung folgte stehenden Fußes. Die Entscheidung des Hotelmanagements sei »absolut inakzeptabel«, erklärte der stellvertretende Außenminister Raymond Johansen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. »Wir werden das mit den US-amerikanischen Regierungsstellen diskutieren«, so Johansen. Norwegen sei in keinem Fall an die Gesetze anderer Staaten gebunden und würde entsprechende Fordrungen auch nicht akzeptieren.
Es ist der zweite Fall dieser Art binnen eines Jahres. Schon im Februar 2006 hatte es einen ähnlichen Skandal gegeben, nachdem kubanischen Unternehmensvertretern die Unterkunft in einen Hotel in Mexiko-Stadt, das der US-Amerikanischen Starwood-Gruppe angehört, verweigert worden war. Eine Sprecherin des Finanzministeriums in Washington hatte die diskriminierende Behandlung damals begrüßt. Das mexikanische Hotel hätte »gemäß der US-Sanktionen gehandelt«, sagte Brookly McLauglin damals.
Der Hilton-Konzern könnte nun unangenehme Folgen zu tragen haben. Mehrere Mitgliedsorganisationen des norwegischen Gewerkschaftsdachverbandes »Landsorganisasjonen i Norge« (LO) haben zum Boykott der Scandic-Hotels aufgerufen. Und während vor den Hotels Demonstrationen gegen die Entscheidung stattfinden, hat die Antirassismusorganisation »Antirasistisk Senter« mit Sitz in Oslo Strafanzeige gegen die Scandic-Hotelkette gestellt. Begründet wurde der Antrag gegenüber der Staatsanwaltschaft mit einem Gesetz in Norwegen, das Diskriminierung aufgrund ethnischer oder nationaler Herkunft unter Strafe stellt.
(jw)