"Wenn davon das Überleben abhängt, halte ich die US-Autobauer für fähig, über ihren eigenen Schatten zu springen. Im Grunde ist das ja alles Low-Tech. Selbst in China kann man sowas vernünftig herstellen lassen."
Da kann ich dir nur teilweise zustimmen. Es stimmt daß man in China mittlerweile so ziemlich alles was mit Autos zu tun hat herstellen kann. Eines wird da aber oft übersehen. Eine Produktion setzt sich grob gesagt zusammen aus: Gebäude, Menschen (soweit noch benötigt) und Produktionsmittel. Und in Sachen Produktionsmittel (z.B. brauchen die im Auto verbauten Kunststoffteile eine Negativform aus hochwertigem Stahl), was ich nicht als Low Tech bezeichnen würde sonst könnte es ja jeder, haben die Amis den Zug verpasst. Jedenfalls den deutschen/europäischen und japanischen Zug.
In der Vorstufe zur Produktion braucht es eben mehr als nur billige Arbeitskräfte. Da sind über Jahrzehnte Strukturen und Wissensvernetzungen gewachsen die auf dem Willen beruhen, das was man macht noch besser machen zu wollen.
Um das etwas anschaulich zu machen folgendes Beispiel:
Mitte der 90er Jahre brachte Opel den Sintra auf dem Markt. Das Auto schnitt im Crashtest der Zeitschrift Auto-Motor und Sport ziemlich schlecht ab. Auf Anfrage bei GM was man jetzt unternimmt um die Sicherheit des Autos zu verbessern, kam die Antwort daß das was für den amerikanischen Kunden gut ist ja wohl auch für den deutschen Kunden ausreichen sollte. So eine Antwort ist natürlich auch eine Antwort. Aber wohin die führt ist gerade sehr deutlich zu sehen.
Zu dem Zeitpunkt als GM den ams-Journalisten diese hochnäsige Antwort gab begann sich der deutsche Automarkt zu verändern. Hatten Hersteller wie Ford und Opel damals noch recht hohe Verkaufsanteile (Opel war damals nur knapp hinter VW) änderte sich das Käuferverhalten und Hersteller wie BMW, Mercedes und Audi legten massiv zu. VW konnte seinen Anteil halten da sie in Punkto Qualität (und allgemein gesprochen zählt ein angenehmer, gut verarbeiteter Innenraum oft mehr als das Blech außen rum) aufgeholt haben. Opel hätte das mit Sicherheit auch in dem Maße schaffen können aber es war ja laut Firmenleitung gar nicht nötig.
Als Autohersteller gibt es m.M. nach 2 Möglichkeiten langfristig zu überleben:
1. Autos in einer Qualität zu bauen die den Kaufinteressenten so überzeugt daß er bereit ist auch etwas mehr als nötig auszugeben. - Das können die Amerikaner nicht
2. Autos zu einem Preis zu bauen der den Kaufinteressenten so überzeugt daß er gewisse Qualitätsmängel in Kauf nimmt. - Und daß diese Autos mittel- bis langfristig nicht in Amerika gebaut werden, das dürfte wohl jeden neutralen Beobachter klar sein.
Wenn in 10 Jahren noch Autos der Marke GM verkauft werden, dann ist der amerikanische Arbeiter mit Sicherheit nicht mehr daran beteiligt.