Commerzbank: Schuldenschnitt 50 Prozent!?
Etwas verwundert habe ich heute einen Artikel im Handelsblatt gelesen, indem heißt es, dass der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing gestern bereits zum Herrn Schäuble gegangen ist und seinen Plan zur Rettung der Bank vorgestellt hat. Schäuble machte gestern auch einen sehr interessanten Kommentar zum Schuldenschnitt in Griechenland, welcher selbstverständlich Einfluss auf den Aktienkurs der Commerzbank hat, aber beginnen wir mit der Vorstellung des Masterplans im Finanzministerium.
Eigentlich sollte der Plan diesen Freitag vorgestellt werden, nun stellt sich aber heraus, dass dieser bereits gestern dem Finanzminister präsentiert wurde. Zentrales Thema war: „Wie wird die Kapitallücke in Höhe von 5,3 Milliarden Euro geschlossen?“
Herr Blessing und sein Stab haben sich dazu einiges einfallen lassen und man muss ehrlich zugeben, er hat sein Wort gehalten, der Staat wird nicht erneut in die Commerzbank einsteigen. Auch ich habe mich zu diesem Vorhaben sehr oft kritisch geäußert, aber er scheint es geschafft zu haben, die Commerzbank stopft die Kapitallücke mit eigenen Mitteln (Kritikpunkte gibt es weiter unten). Hier nochmal meine gestrige Aufstellung dazu:
Abbau von Risiken (Kürzung des Geschäfts um 30 Milliarden Euro): 2,7 Milliarden Euro
Umwandlung einer stillen Einlage der Allianz in Kernkapital: 0,75 Milliarden Euro
Gewinne sollen einbehalten werden: 1 Milliarde Euro
Rückkauf von nachrangigen Anleihen (bereits geschehen): 0,7 Milliarden Euro
Verzicht auf variablen Gehaltsbestandteil, dafür Aktien: 0,5 Milliarden Euro
Ergebnis: 5,65 Milliarden Euro
Herr Schäuble ist von den Plänen des Commerzbank-Chefs angetan und auch der Notfallplan überzeugt den Minister. Bei letzterem ist der Einstieg des Staates auch nicht vorgesehen. Wie der Plan B im Detail aussieht, wäre interessant zu wissen, denn eins ist sicher: Der Plan ist ein Plan und noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt. Richtigerweise bezweifeln manche Analysten das Vorhaben, denn die getroffenen Annahmen scheinen in der aktuellen Marktsituation etwas optimistisch zu sein. Der Gewinn ist noch nicht erwirtschaftet worden und ein Käufer für die risikogewichtete Aktiva noch nicht gefunden, bzw. es steht in den Sternen, ob die veranschlagten Erlöse auch erzielt werden können. Das Spiel mit der Commerzbank hat also Schatten- und Sonnenseiten und eines sollte ein Anleger nie vergessen, der Kurs ist nicht umsonst so niedrig. Wie es ausgeht, kann man nicht sagen. Einen Stop-Kurs sollte man hier also unbedingt setzen.
Neben der positiven Meldung, dass es scheinbar tatsächlich ohne Staatshilfen geht habe ich im Deutschlandfunk eine interessante Meldung von Herrn Schäuble gehört. Es heißt, dass der Schuldenschnitt für Griechenland bei 50 Prozent nicht mehr Gegenstand der Verhandlungen sei, sondern es geht nur noch um die Höhe der Zinsen für die neuen Anleihen. Es kamen immer wieder Gerüchte auf, dass es um einen Schuldenschnitt in Höhe von 75 Prozent geht. Nun ist es fraglich, ob dieses Gerücht sich aus den künftigen Zinsen berechnet hat. Also je niedriger die Zinsen für die neuen Anleihen sind, desto höher sind die realen Einbußen für die Banken. Ministerpräsident Papademos meint, dass die Gespräche in drei Wochen abgeschlossen seien und die ersten Ergebnisse präsentiert werden können. Manche meinen, dass ist zu spät, denn im März brauch Griechenland neues Geld. Ich kann dem nur zustimmen, langsam muss eine Einigung herbeigeführt werden.
In der Welt habe ich eine interessante Statistik zum Bankensterben gefunden. Im Januar 2012 gab es in 17 Euro-Ländern 7533 Kreditinstitute, 322 weniger als zum Vorjahr. Die Commerzbank wird hoffentlich nie dort auftauchen, als Bank die pleite ging.
Die Commerzbank befindet sich aktuell leicht im Plus, mein Kursziel von 1,90 Euro bleibt erstmal bestehen.