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Ökostrom
Energiewende mit Geld aus Europa
Die Europäische Investitionsbank (EIB) will die Darlehen für den Ausbau von deutschen Windkraftanlagen auf See und an Land voraussichtlich verdoppeln. Das sagte der Vizepräsident der EIB im Gespräch mit der F.A.Z. in Berlin.
Von Andreas Mihm
22. April 2011 2011-04-22 20:28:03
Die Europäische Investitionsbank (EIB) unterstützt die Pläne der Bundesregierung für einen grundlegenden Umbau der Energieerzeugung und -versorgung in Deutschland mit schnell wachsenden Kreditbeträgen. In diesem Jahr werde man die Darlehen vor allem für den Ausbau von Windkraftanlagen auf See und an Land voraussichtlich verdoppeln, kündigte der Vizepräsident der EIB, Matthias Kollatz-Ahnen, im Gespräch mit der F.A.Z. in Berlin an. Im vergangenen Jahr hatte die Förderbank Grünstrom-Projekte in Deutschland im Umfang von etwa 600 Millionen Euro mit langlaufenden, günstigen Darlehen angeschoben oder refinanziert.
„Ich gehe davon aus, dass wir Ende 2011 eher bei 1,5 als bei einer Milliarde Euro liegen, unser Engagement wird auf jeden Fall deutlich steigen“, sagte der Deutsche unter den acht Vizepräsidenten der EIB. Derzeit befinde man sich mit vier bis fünf Projektbetreibern für Offshore-Windparks und zwei Finanzierungskonsortien für Windfarmen an Land im Gespräch. Da Deutschland die Investitionen gerade auch in Offshore-Wind weiter erhöhen wolle – die Zielmarke entspreche mittelfristig der Großbritanniens von 4 Milliarden Euro –, sei mit weiteren Engagements zu rechnen. „Europaweit gibt es eine Verlagerung hin zu Offshore-Projekten, im Gegenzug wird die Förderung der Photovoltaik zurückgenommen“, sagte Kollatz-Ahnen.
Akzentverschiebung in den nächsten Jahren
Ein großer Windpark in der Deutschen Bucht kostet rund 1 Milliarde Euro. Weil private Banken sich schwertun, solche Volumina allein zu finanzieren, hatte die Bundesregierung bereits die staatliche KfW-Bank aufgefordert, ein Darlehensprogramm über 5 Milliarden Euro aufzulegen, das in diesen Wochen an den Start gehen soll. Die Regierung erwägt zudem, die auf 15 Cent je Kilowattstunde festgelegte schon erhöhte Einspeisegebühr weiter heraufzusetzen, um Investoren das Engagement schmackhaft zu machen. Im Gegenzug soll die Förderdauer von bisher 20 Jahren allerdings gekürzt werden. Eine günstigere Anschubfinanzierung und eine höhere Renditeerwartung sollen sicherstellen, dass die Projekte realisiert werden.
Wegen des auch von der EU-Kommission angemahnten Ausbaus der Stromnetze werde es in der Finanzierung in den nächsten Jahren zu einer Akzentverschiebung kommen, sagte Kollatz-Ahnen. Das Finanzierungsvolumen für Energieprojekte werde weiter zunehmen, der Anteil der Netzinvestitionen aber schneller wachsen. Die Zahl der Projekte werde auch in Deutschland zunehmen. „Wir starten mit 200 bis 300 Millionen Euro, 2012 wird sich das vom Trend her verdoppelt haben und bis zum Ende des Jahrzehnts eine wichtige Aufgabe bleiben“, sagte Kollatz-Ahnen. Die Bundesregierung will den Netzausbau beschleunigen, indem die Länder Planungsrechte an den Bund abtreten sollen.
Europaweit hatte die EIB 2010 Kredite für mehr als 7 Milliarden Euro für Investitionen in die Energieeffizienz und Erneuerbare Energien ausgegeben. Davon flossen rund 1 Milliarde Euro nach Deutschland, auch für Biogasanlagen und zur Finanzierung von Herstellern der Photovoltaikanlagen. Das Gros der günstigen EIB-Darlehen für Investitionen in oder zur Refinanzierung von Krediten für Erneuerbare Energien ging laut Kollatz-Ahnen zuletzt nach Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa