intressante Diskussion ausm w:o Board , schaut euch mal den chart an *g*
Quelle: www.sueddeutsche.de/sz/wirtschaft/red-artikel1961/
Sueddeutsche Zeitung
13.02.2004
Filz, Tipps und eine Kursexplosion
Firmenmantel der Realtos AG verbirgt manche Seltsamkeit
Von Stefan Loipfinger
und Hannes Nickl
Auch nach dem unrühmlichen Ende des Neuen Marktes sind in Deut-schland noch
Kurswunder möglich. So ist die Notierung der Realtos Grund- und Beteiligungs
AG seit Mitte 2002 von 35 Cent auf mittlerweile knapp 30 Euro gestiegen.
Zwischenzeitlich kostete das Papier sogar mehr als 40 Euro. Allerdings
erinnern einige Begleitumstände der Hausse an diverse Skandalfälle in dem
früheren Wachstumssegment.
Bislang hat von dem Kursfeuerwerk im Wesentlichen nur einer profitiert:
Peter Zimmermann, Chef der „Starnberger 5-Seen Land Vermögensbetreuungs AG“
(SV). Die SV ist eine Gesellschaft, die unter anderem mit
Vermögensverwaltung sowie Vermittlung und Initiierung von
Beteiligungsmodellen befasst ist. Zimmermann hielt mittelbar bereits fast 86
Prozent an Realtos, als die Hauptversammlung der Gesellschaft im vergangenen
Dezember beschloss, dass die SV in Realtos eingebracht wird. Seine
Realtos-Titel – notiert im Freiverkehr an der Stuttgarter und Münchner
Börse – hatte Zimmermann nach eigener Aussage zum Kurs von jeweils etwa 40
Cent erworben.
Die neue Gesellschaft, deren Chef seit Jahresanfang Zimmermann ist, soll
noch im laufenden Jahr an den geregelten Markt wechseln. Doch schon die
Mehrheitsverhältnisse bei Realtos könnten Anleger skeptisch stimmen – der
Streubesitz vor dem Einbringungsbeschluss im Dezember betrug lediglich knapp
14 Prozent oder 181 000 Aktien. Angesichts dieser geringen Zahlen können
bereits bei niedrigen Umsätzen extreme Kursschwankungen entstehen.
Noch seltsamer ist: Realtos ist ein börsennotierter Firmenmantel ohne
operative Geschäfte und ohne nennenswertes Vermögen (und bleibt dies auch,
so lange die SV-Einbringung nicht ins Handelsregister eingetragen ist).
Dennoch hat die „Münchener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH“ einen Wert
von rund 53 Millionen Euro für Realtos ermittelt, zusätzlich für die SV
einen Wert von gut 35 Millionen Euro. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
gehört zur Münchener Steuerrevisions- und Treuhand GmbH, zu deren Partnern
der Jurist Klaus Senft zählt. Dieser arbeitet mit seiner
Rechtsanwaltskanzlei schon seit Jahren mit der SV zusammen. Außerdem ist
Senft der Aufsichtsratsvorsitzende von Realtos. Stellvertreter ist sein
Sozius Ronald Gundlach, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der SV
ist. Senft erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, er sehe in dieser
Konstellation keinen potenziellen Interessenskonflikt.
Pikant ist auch, wer noch einen nennenswerten Anteil an der SV besitzt.
Hinter dem unscheinbaren Namen der Loyr-Stiftung, die an der SV zu sechs
Prozent beteiligt ist und nach Einbringung in die Realtos daran den gleichen
Anteil halten soll, verbirgt sich Florian Homm – eine zweifelhafte
Berühmtheit in der Investmentszene. Homm fungiert als Manager eines Hedge
Fonds namens Absolute Return Europe mit Sitz auf den Cayman Islands. Dessen
prominenteste Opfer waren in den vergangenen Jahren die Firmen WCM, MLP und
Sixt. Ein schweizerisches Analysehaus, an dem Homm maßgeblich beteiligt sein
soll, hatte die Konzerne durch die Veröffentlichung angeblicher Fakten, die
extrem negativ waren, unter Druck gesetzt. Die folgenden Kursabstürze soll
sich der Fonds von Homm durch vorherige Leerverkäufe der jeweiligen Aktien
zu Nutze gemacht haben.
Analystenstudien spielen auch im Falle von Realtos eine unrühmliche Rolle –
nicht aus dem Umfeld Homms, sondern der GSC Research GmbH, die sich als
unabhängiges Analysehaus bezeichnet. Realtos ließ im Dezember von GSC eine
Studie über sich erstellen, in der es unter anderem heißt, selbst nach der
Kursexplosion gebe es „langfristig noch deutliches Kurspotenzial“. Eine
explizite Empfehlung für den Titel blieb bei dieser Gelegenheit aus. Das
holte die Anlagezeitschrift Nebenwerte Insider nach. Dort wurde eine
Kaufempfehlung für die Realtos-Aktie abgegeben. Chefredakteur des Blattes
ist ausgerechnet GSC-Geschäftsführer Matthias Schrade. Er sehe, sagt Schrade
auf Anfrage der SZ, keinerlei Problem in dieser Personalunion.
Zweifelhafte Doppelfunktion
Ähnlich bunt durcheinander geht es bei dem Finanzmagazin Mein Geld. Die
Zeitschrift bezeichnete die Realtos-Aktie 2003 als „Geheimtipp des Jahres“.
Zum Redaktionsteam von Mein Geld gehört nach Angaben des Blattes eine
Nathalie Kalac. Doch nach Angaben von SV-Chef Zimmermann arbeitet Kalac
„ausschließlich und zu 100 Prozent“ als Anlageberaterin – in seiner Firma.
Ähnliche Doppelfunktionen anderer Personen hatten nach dem Platzen der Blase
am Neuen Markt für einigen Ärger gesorgt. So hatte Sascha Opel,
stellvertretender Chefredakteur des Anlegerblattes Der Aktionär, in der
Zeitschrift Aktien empfohlen und die selben Papiere einem Fonds zum Kauf
angedient, deren Berater er war. Die Kurse der meisten Titel schmierten
anschließend ab. Und viele der Anleger, die diesen Tipps gefolgt waren oder
in dem Fonds investiert hatten, verloren in dem verwirrenden Zusammenspiel
eine Menge Geld.
Quelle: www.sueddeutsche.de/sz/wirtschaft/red-artikel1961/
Sueddeutsche Zeitung
13.02.2004
Filz, Tipps und eine Kursexplosion
Firmenmantel der Realtos AG verbirgt manche Seltsamkeit
Von Stefan Loipfinger
und Hannes Nickl
Auch nach dem unrühmlichen Ende des Neuen Marktes sind in Deut-schland noch
Kurswunder möglich. So ist die Notierung der Realtos Grund- und Beteiligungs
AG seit Mitte 2002 von 35 Cent auf mittlerweile knapp 30 Euro gestiegen.
Zwischenzeitlich kostete das Papier sogar mehr als 40 Euro. Allerdings
erinnern einige Begleitumstände der Hausse an diverse Skandalfälle in dem
früheren Wachstumssegment.
Bislang hat von dem Kursfeuerwerk im Wesentlichen nur einer profitiert:
Peter Zimmermann, Chef der „Starnberger 5-Seen Land Vermögensbetreuungs AG“
(SV). Die SV ist eine Gesellschaft, die unter anderem mit
Vermögensverwaltung sowie Vermittlung und Initiierung von
Beteiligungsmodellen befasst ist. Zimmermann hielt mittelbar bereits fast 86
Prozent an Realtos, als die Hauptversammlung der Gesellschaft im vergangenen
Dezember beschloss, dass die SV in Realtos eingebracht wird. Seine
Realtos-Titel – notiert im Freiverkehr an der Stuttgarter und Münchner
Börse – hatte Zimmermann nach eigener Aussage zum Kurs von jeweils etwa 40
Cent erworben.
Die neue Gesellschaft, deren Chef seit Jahresanfang Zimmermann ist, soll
noch im laufenden Jahr an den geregelten Markt wechseln. Doch schon die
Mehrheitsverhältnisse bei Realtos könnten Anleger skeptisch stimmen – der
Streubesitz vor dem Einbringungsbeschluss im Dezember betrug lediglich knapp
14 Prozent oder 181 000 Aktien. Angesichts dieser geringen Zahlen können
bereits bei niedrigen Umsätzen extreme Kursschwankungen entstehen.
Noch seltsamer ist: Realtos ist ein börsennotierter Firmenmantel ohne
operative Geschäfte und ohne nennenswertes Vermögen (und bleibt dies auch,
so lange die SV-Einbringung nicht ins Handelsregister eingetragen ist).
Dennoch hat die „Münchener Wirtschaftsprüfungsgesellschaft GmbH“ einen Wert
von rund 53 Millionen Euro für Realtos ermittelt, zusätzlich für die SV
einen Wert von gut 35 Millionen Euro. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
gehört zur Münchener Steuerrevisions- und Treuhand GmbH, zu deren Partnern
der Jurist Klaus Senft zählt. Dieser arbeitet mit seiner
Rechtsanwaltskanzlei schon seit Jahren mit der SV zusammen. Außerdem ist
Senft der Aufsichtsratsvorsitzende von Realtos. Stellvertreter ist sein
Sozius Ronald Gundlach, der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der SV
ist. Senft erklärte in einer schriftlichen Stellungnahme, er sehe in dieser
Konstellation keinen potenziellen Interessenskonflikt.
Pikant ist auch, wer noch einen nennenswerten Anteil an der SV besitzt.
Hinter dem unscheinbaren Namen der Loyr-Stiftung, die an der SV zu sechs
Prozent beteiligt ist und nach Einbringung in die Realtos daran den gleichen
Anteil halten soll, verbirgt sich Florian Homm – eine zweifelhafte
Berühmtheit in der Investmentszene. Homm fungiert als Manager eines Hedge
Fonds namens Absolute Return Europe mit Sitz auf den Cayman Islands. Dessen
prominenteste Opfer waren in den vergangenen Jahren die Firmen WCM, MLP und
Sixt. Ein schweizerisches Analysehaus, an dem Homm maßgeblich beteiligt sein
soll, hatte die Konzerne durch die Veröffentlichung angeblicher Fakten, die
extrem negativ waren, unter Druck gesetzt. Die folgenden Kursabstürze soll
sich der Fonds von Homm durch vorherige Leerverkäufe der jeweiligen Aktien
zu Nutze gemacht haben.
Analystenstudien spielen auch im Falle von Realtos eine unrühmliche Rolle –
nicht aus dem Umfeld Homms, sondern der GSC Research GmbH, die sich als
unabhängiges Analysehaus bezeichnet. Realtos ließ im Dezember von GSC eine
Studie über sich erstellen, in der es unter anderem heißt, selbst nach der
Kursexplosion gebe es „langfristig noch deutliches Kurspotenzial“. Eine
explizite Empfehlung für den Titel blieb bei dieser Gelegenheit aus. Das
holte die Anlagezeitschrift Nebenwerte Insider nach. Dort wurde eine
Kaufempfehlung für die Realtos-Aktie abgegeben. Chefredakteur des Blattes
ist ausgerechnet GSC-Geschäftsführer Matthias Schrade. Er sehe, sagt Schrade
auf Anfrage der SZ, keinerlei Problem in dieser Personalunion.
Zweifelhafte Doppelfunktion
Ähnlich bunt durcheinander geht es bei dem Finanzmagazin Mein Geld. Die
Zeitschrift bezeichnete die Realtos-Aktie 2003 als „Geheimtipp des Jahres“.
Zum Redaktionsteam von Mein Geld gehört nach Angaben des Blattes eine
Nathalie Kalac. Doch nach Angaben von SV-Chef Zimmermann arbeitet Kalac
„ausschließlich und zu 100 Prozent“ als Anlageberaterin – in seiner Firma.
Ähnliche Doppelfunktionen anderer Personen hatten nach dem Platzen der Blase
am Neuen Markt für einigen Ärger gesorgt. So hatte Sascha Opel,
stellvertretender Chefredakteur des Anlegerblattes Der Aktionär, in der
Zeitschrift Aktien empfohlen und die selben Papiere einem Fonds zum Kauf
angedient, deren Berater er war. Die Kurse der meisten Titel schmierten
anschließend ab. Und viele der Anleger, die diesen Tipps gefolgt waren oder
in dem Fonds investiert hatten, verloren in dem verwirrenden Zusammenspiel
eine Menge Geld.