Kampfer ist in Japan ein wichtiger Bestandteil rituellen Räucherwerks, er gehört zu den wichtigsten Räucherstoffen im
traditionellen tibetischen Tantrakult (YESHE TSOGYAL 1996) und hat vor allem auch in Südindien eine große rituelle
Bedeutung. Im Gebiet von Nordarcot liegt ein heiliger Berg namens Arunachala, »Roter Berg«, der innen hohl und von Wesen mit
außergewöhnlichen geistigen Fähigkeiten bewohnt sein soll. Dort gibt es einen großen Tempel, der einer Göttin desselben
Namens geweiht ist:
»Einmal im Jahr feiern die Priester ihr großes Fest. Sowie es im Tempel seinen Anfang nimmt, wird auf dem Gipfel des Berges
eine riesige Flamme entfacht, die von großen Mengen Butter und Kampfer genährt wird. Sie brennt tagelang und ist meilenweit
sichtbar.« (BRUNTON 1983: 153)
Dieser Kult ist eng mit dem Gott der Ekstase und Rauschmittel, Shiva, dem der Kampfer ebenfalls heilig ist, verbunden:
»Unseren heiligen Legenden zufolge erschien der Gott Shiva einmal als feurige Flamme auf dem Gipfel des Heiligen Roten
Berges. Daher zünden die Priester des Tempels einmal im Jahr zur Erinnerung an dieses Ereignis, das sich vor Tausenden von
Jahren zugetragen haben muß, das große Feuer an. Ich nehme an, daß der Tempel für dieses Fest gebaut wurde, da Shiva noch
heute den Berg beschirmt.« (ebd.: 165)
In Varanasi (= Benares), der heiligen Stadt Shivas, gibt es ein Heiligtum des Krishna, in dem eine goldene Statue des jugendlichen
Gottes und Liebhabers verehrt wird. Dazu werden Blumen (z.B. Cestrum nocturnum), Früchte (Stechäpfel; vgl. Datura metel) und
Farben geopfert. Als Räucherstoff wird an dieser Stelle Kampfer verbrannt (BRUNTON 1983:217).
In Malaysia hatte der Borneo-Kampfer bei der malaiischen Urbevölkerung eine rituelle und magische Bedeutung:
»Mit dem Hantu-Glauben und der Vorstellung, daß Dinge in der Natur verzaubert werden können, hängt noch eine eigentümliche
Sitte zusammen, die sich allerdings nur bei den Jakun findet und die unter dem Namen Kampfer-Sprache (Bhasa Kapor) bekannt
ist. Die Eingeborenen gebrauchen dafür den Ausdruck „Pantang Käpür“ (mal. „pantang“ = verboten) und wollen damit
ausdrücken, daß während des Kampfersuchens der Gebrauch der gewöhnlichen malaiischen Sprache ( . . . ) verboten sei. In der
Tat glauben die Jakun, daß ein „bisän“ [= „Frau“] oder Geist über die Kampferbäume [Dryobalanops arornatica] wache und daß
es unmöglich sei, Kampfer zu gewinnen, ehe man jenen sich geneigt gemacht habe. Während der Nacht stößt er schrille Töne aus
( . . . ), und dies ist ein Beweis, daß sich in der Nähe Kampferbäume befinden. Um nun den Kampfergeist zu beschwichtigen,
spenden ihm die Jakun, bevor sie selbst essen, einen Teil ihrer Nahrung (...), essen etwas Erde und bedienen sich der besonderen
Sprache ...« (MARTIN 1905: 972f.)
Seit der Jahrhundertwende mehren sich die Nachrichten über den psychoaktiven Gebrauch von Kampfer:
»Tatsächlich begegnet man seit etwa zwei Jahrzehnten in den oberen Kreisen der englischen Gesellschaft Kampferessern und
Kampferesserinnen, die das Mittel in Milch, Alkohol, in Pillen usw. nehmen. Das gleiche findet man in den Vereinigten Staaten
und in der Slowakei. Frauen behaupten, dadurch einen frischen Teint zu bekommen. Der wahre Beweggrund scheint aber zu sein,
einen gewissen Erregungs- bzw. Rauschzustand dadurch zu erlangen, der freilich, wie mir scheint, eine besondere Disposition
hierfür erfordert.« (LEWIN 1981: 302*)
Kampfer wird heute in Amazonien von Mestizoschamanen im Zusammenhang mit Ayahuasca verwendet (siehe dort).
Medizinische Anwendung
Der Kampferbaum gehört seit frühesten Zeiten zu den wichtigsten Medizinalgewächsen der chinesischen Materia Medica. Das
weiße, aromatische
Kampferharz heißt im Chinesischen long nao xiang, »Drachengehirn«yH. Es wurde schon vom Gelben Kaiser als Heilmittel für
Kopfschmerzen und Hämorrhoiden verwendet:
»Wir wissen nicht, ob das geronnene Harz sie an das Gehirn erinnerte und, weil es so selten und kostbar war, dem König der Tiere
zugeschrieben wurde oder ob der Name daher stammt, daß der Kampfer dem Kaiser, dem „Drachen“ vorbehalten war.«
(FAZZIOLI 1989:23)
Der Kampferbaum galt in China und Tibet lange Zeit als »König der fernöstlichen Heilpflanzen«; denn »der Kampfer ist
vergleichbar einem „wilden Mann“ (Yeti, Schneemenschen des Himalaya)« (KAUFMANN 1985: 106). In Nepal wird Kampfer
als Stimulans, als wurmtreibendes und verdauungsförderndes Mittel verwendet (SINGH et al. 1979: 188'0.
In der ayurvedischen Medizin wird Kampfer bei Entzündungen, Herzschwäche, Husten, Asthma, Krämpfen, Blähungen, Durchfall
und Dysenterie (Ruhr) verordnet (WARRIER et al. 194 11: 81*). Kampfer wird gerne als Beruhigungsmittel, sozusagen zur
Kühlung, bei Hysterie und Nervosität verabreicht:
»Kampfer vermehrt Prana, öffnet die Sinne, verleiht dem Geist Klarheit. (. . .) Eine Prise Kampferpulver wird geschnupft, wenn
die Nase verstopft ist, bei Kopfschmerzen und um die Wahrnehmung zu steigern. Während einer Puja, einer religiösen Andacht,
wird Kampfer als Rauchmittel verbrannt, um die Atmosphäre zu reinigen und die Meditation zu fördern. ( . . . ) Zur Behandlung
der Atemwege kann Kampferaufguß auch gekocht und die Dämpfe eingeatmet werden. Zum inneren Gebrauch sollte nur roher
Kampfer verwendet werden und nicht der im Handel häufig angebotene synthetische Kampfer.« (LAD und FRAW LEY 1987:
179f.- )
Er hat in der westlichen Medizin eine große Bedeutung bei der Behandlung von Husten und Erkältungen sowie Schüttelfrost
(MORTON 1977: 106, PAHLOW 1993: 388*). In der Homöopathie wird Camphora entsprechend des Arzneimittelbildes, u.a. bei
Koliken und Krämpfen, verwendet (ROTH et al. 1994: 2330.
Inhaltsstoffe
Alle Pflanzenteile enthalten Kampferöl und ätherische Öle mit Sesquiterpenen (Campherenon, Campherenol, Campheraderivate);
daraus scheidet sich die weiße Substanz Kampfer (Summenformel C„,H,,O) aus. Der Gehalt an Kampfer kann stark schwanken.
Die Blätter indischer Kampferbäume enthalten 22,2“% Kampfer.
Das ätherische Öl ist sehr kompliziert zusammengesetzt und variiert je nach Standort, Klima usw.; es sind u.a. Azulen, Bisabolon,
Cadinen, Camphen, a-Camphoren, Carvacrol, Cineol (Hauptanteil), n-Cymol, Eugenol, Laurolitsin, 8-Limonen, Orthoden, a-
Pinen, Reticulin, Safranal, Safrol, Salven und Terpineol festgestellt worden. Häufig ist das Safrol stark vertreten; es kommt
reichlich im Holz vor. Der höchste Safrolgehalt befindet sich in den Wurzeln (MORTON 1977: 104* ). In den Blättern kommt
ebenfalls reichlich Safrol (vgl. Sassafras albidum) vor (CHAURASIA 1992: 896).
Im Kernholz des Stammes kommen Sesquiterpene und Cyclopentenone vor (TAKAOKA et al. 1979). In der Wurzel sind die
Alkaloide Laurolitisin und RetICulin anwesend (CHAURASIA 1992: 896). Die Samen enthalten vor allem Laurin und ein Öl, das
in seiner Zusammensetzung dem Kokosöl gleicht (vgl. Cocos nucifera). In der ganzen Pflanze kommen in Spuren Kaffeesäure,
Quercetin, Kämpferol und Leukocyanidin vor (CHAURASIA 1992: 896).
Wirkung
In der medizinischen und toxikologischen Literatur wird immer wieder angegeben, daß Kampfer in hohen Dosierungen
Halluzinationen auslösen kann (MORTON 1977: 107 ):
»Nach Einnehmen von etwa 1,2 g können sich einstellen: angenehm empfundene Hautwärme und eine allgemeine
Nervenerregung, Bewegungsdrang, Kribbeln in der Haut und eine eigentümliche, rauschähnliche, ekstatische, geistige Aufregung.
„Klar und deutlich lag einem solchen Selbstversucher seine Bestimmung mit Tendenzen der schönsten Art“ vor. Dieser Zustand
hielt anderthalb Stunden an. Nach Einnehmen von 2,4 g stellte sich Bewegungsdrang ein. Alle Bewegungen waren erleichtert. Im
Gehen hoben sich die Schenkel über die Maßen. Geistige Arbeit war unmöglich. Ein Gedankensturm stellte sich ein, eine
Vorstellung folgte wild der anderen, schnell, ohne daß eine verharrte. Das Bewußtsein der Persönlichkeit ging verloren.« (LEWIN
1981: 302f.*)
Die berauschende Kampferwirkung wird oft mit der des Alkohols verglichen:
»Bei Einnahme größerer Kampfermengen kann frühzeitig Übelkeit und Erbrechen den größten Teil der Substanz wieder
entfernen. Resorptiv zeigt sich bei leichterer Vergiftung zentrale Erregung, Schwindel, Kopfschmerz, ein dem Alkoholrausch
ähnlicher Rauschzustand mit Sinnestäuschungen und Wahnideen; Nierenreizung kommt vor, kaum jemals Hämaturie. Bei
häufiger Kampferaufnahme kann sich „Kampfersucht“ ausbilden.« (FÜHNER 1943: 237'' )
http://www.eve-rave.ch/Forum/ftopic4356.html