Das Deutschlandbild der türkischen Medien bei uns

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BeMi: Das Deutschlandbild der türkischen Medien bei uns
6
07.03.06 12:56
#1 downup
Fleet Street des Türkentums

Welches Deutschlandbild die türkischen Medien in Deutschland verbreiten

- Das Leitmotiv vieler Artikel lautet: "die" und "wir"
von Mariam Lau

 
Meinungsstark und Kampagnenfähig: Türkische Zeitungen in Deutschland

Mörfelden-Walldorf - Mitten im postindustriellen Niemandsland, im südhessischen Mörfelden-Walldorf, haben die größten türkischen Zeitungen ihre Deutschlandredaktionen, ihre Fernsehsender und Druckereien. Von hier aus fahren Lieferwagen aus einem streng bewachten Gelände hinaus in die Bundesrepublik. Welches Bild vermitteln sie ihren Lesern von Deutschland? Wie halten sie es mit der Integration?


"Wir verstehen uns als Anwälte der Türken in Deutschland", erklärt Sevda Boduroglu, energische Geschäftsführerin des mächtigen Dogan-Konzerns. Neben der größten türkischen Tageszeitung "Hürriyet" (deutsche Auflage etwa 44 000), auch "Milliyet" (um die 10 000), die Sportzeitung mit dem unzweideutigen Titel "Fanatik", der meistgesehene Sender Kanal D, sechs Radiostationen und 30 weitere Printmedien in der Türkei. Als Anfang der siebziger Jahre die ersten hier ihre Gehversuche starteten, war das Deutschlandbild rundum positiv. Deutsche Technik, deutsche Effizienz, auch die historische Waffenbrüderschaft im Ersten Weltkrieg wurden den Zugewanderten anempfohlen - heute brauchen sie "einen Anwalt". Was ist passiert? "In den achtziger Jahren", so die Autorin Sabiba Bozbel, "wurde Deutschland in der Türkei häufig als Gegner wahrgenommen, der im Nahen Osten, in der Kaukasusregion, in Zentralasien und auf dem Balkan divergierende Interessen vertritt." Daß die kurdische Organisation PKK in Deutschland lange Zeit frei agieren konnte, man aber gegen die Türkei ein Waffenembargo verhängte, hat viele Kolumnisten verleitet, von einem "terrorfreundlichen Staat" zu sprechen. Daß man die islamische Organisation Milli Görüs hier gewähren läßt, ließ bei vielen Laizisten den Eindruck aufkommen, man versuche, die Türkei mit Hilfe des "Euro-Islam" zu spalten. Bei den Brandanschlägen der neunziger Jahre hieß es "Deutsche Grausamkeit in Solingen" oder "Europa, das ist dein Werk"; die wenigsten Blätter machten sich die Mühe, von Skinheads oder Neonazis zu sprechen. Die Kampagne gegen doppelte Staatsbürgerschaft im Heimatland Hessen hat auch nicht geholfen.


Ein Großteil der 2,5 Millionen Türken, speziell die jüngeren unter ihnen, nutzen sowohl deutsche als auch türkische Medien, vor allem Boulevard. Mit den Zuwanderern der ersten Stunde, die jetzt in Rente gehen und dann auch oft wieder in die Türkei zurückkehren, verringert sich die Zahl derjenigen, die ausschließlich aus türkischen Medien ihre Informationen beziehen. Wer aber mäßig bis schlecht Deutsch spricht - und das sind nach eigenen Angaben in einer Umfrage des gewiß nicht überkritischen Essener Zentrums für Türkeistudien immerhin 40 Prozent, verläßt sich hauptsächlich auf türkische Tageszeitungen.

Von den ganz großen Hetzkampagnen hat man bei "Hürriyet" inzwischen abgelassen. Mit Kerem Caliskan, dem neuen Chefredakteur der Deutschlandredaktion, dessen Mutter Michael Endes "Momo" ins Türkische übersetzt hat, besinnt man sich mehr auf journalistische Tugenden. Weder im Karikaturenstreit, noch in der Debatte um Deutsch auf den Schulhöfen, hat man die alten Fanfaren geblasen. Auch aus der Debatte um die Ehrenmorde, in der "Hürriyet" ursprünglich heftig gegen Autorinnen wie Seyran Ates gehetzt hatte, wurde gelernt: Seit elf Monaten läuft eine Kampagne des Blattes gegen häusliche Gewalt. Gleichwohl klingt es in einem ganzseitigen Beitrag des Kolumnisten Oktay Eksi in der freitags erscheinenden deutschen Beilage des Blattes zum Thema "Deutschgebot" so: "Unsere europäischen Freunde, die in bezug auf "Toleranz" immer wieder versuchen, uns eines Besseren zu belehren. Genau über sie sprechen wir. Über unsere Freunde, die mit der Argumentation "Eure Kultur ist anders als unsere", vor allem Türken, aber auch alle anderen Menschen diskriminieren, die nicht zu ihnen gehören. Das Beispiel des Schulhofstreits zeigt doch, wie tolerant und freiheitlich diese Herrschaften sind, die sich stets als Verfechter der Menschenrechte ausgeben". Kein Wort darüber, daß türkische Eltern und Schüler das Deutschgebot mitbeschlossen hatten; dafür jede Menge Falschdarstellungen wie die, ein deutscher Politiker habe gefordert, wer Türkisch spreche müsse den Schulhof fegen.


Hier klingt das Leitmotiv vieler Artikel über Deutschland an: ein bitterer, höhnischer, anklagender Ton, ein klares Trennen von "die" und "wir". In "Türkiye" (Auflage circa 10 000) ist der Ton noch weitaus schärfer. Der Kolumnist Mehmet Ali Demirbas erklärt auf Anfrage mehrerer Leser, ob es von seiten der Religion zulässig sei, mit Nicht-Moslems Freundschaft zu schließen, "O ihr Gläubigen, nehmt euch nicht die Juden und Christen zu Freunden." Oder: "Führe den Dschihad mit den Ungläubigen, mit den Heuchlern! Verfahre hart mit ihnen, zeige Feindschaft!". In der Karikaturenkrise schrieb im selben Blatt Mehmet Oruc (Autor des Buches "Die Falle des interreligiösen Dialogs"): "Ein schlechter Charakter ändert sich nicht. Wir haben seit Jahren geschrieben, daß der Westen heuchlerisch ist, man seiner Freundschaft nicht trauen kann und seine Leidenschaft, den Islam zu vernichten, zu keiner Zeit erloschen ist."

Die sachlichste, anspruchsvollste und gesprächsbereiteste türkische Tageszeitung ist eindeutig die islamische "Zaman" (Die Zeit) - hier wenig bekannt, in der Türkei aber die drittgrößte. Sie wird hauptsächlich von türkischen Intellektuellen gelesen. In "Zaman" wird immer wieder gegen Terror im Namen des Islam agitiert, für Bildungsehrgeiz, Engagement in der deutschen Gesellschaft, für Demokratie und gegen Despotie in der islamischen Welt. Ein Kopftuch für die moslemische Frau sei keineswegs nötig. Die Redakteure sind Anhänger des moderaten Predigers Fethulla Gülen, der inzwischen - angeblich aus gesundheitlichen Gründen - in den USA lebt.


Beim Thema Armenien hört der Spaß überhaupt auf. Keine einzige türkische Zeitung spricht von Völkermord. Der einzige türkischstämmige Politiker, der dies tut - der Europaabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir -, wurde als Verräter bezeichnet. Viele seiner Kollegen haben sich deshalb auf eine Art "Doubletalk" verlegt: in der deutschen Presse so, in der türkischen ein wenig anders. Interessanterweise berichten viele Leser, in den türkischen Ausgaben der Medien würde viel pluralistischer und auch selbstkritischer berichtet als in den Deutschlandausgaben - eine Art "Diaspora-Syndrom", meint der Schriftsteller Zafer Senocak: "In der Fremde muß man zusammenhalten". Auch die soziale Lage der Einwanderer - vielfach aus ländlichen Gebieten Anatoliens - kommt hinzu. Die Türken haben auch noch nicht viel Erfahrung mit der Diaspora - erst seit den sechziger Jahren.


Im Zimmer von Hayri Dizerkonca, Chefredakteur des sozialdemokratischen Boulevardblattes "Milliyet", hängen Bilder vom Redaktionsbesuch des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, der auch gelegentlich hier schreibt, auch Sigmar Gabriel war mal da. Dizerkonca lebt seit 23 Jahren in Deutschland, muß sich die Fragen aber übersetzen lassen. Sein Schlüsselerlebnis mit Deutschland war der Einzug in ein Reihenhaus. "Wir haben zum Einzug unsere Nachbarn eingeladen, einen Apotheker, einen Steuerberater, einen Arzt. Sie fielen aus allen Wolken. Sie lebten damals schon seit zwölf Jahren nebeneinander und waren noch nie auf so eine Idee gekommen." Seither trifft man sich öfter.

Artikel erschienen am Di, 7. März 2006
bewertet: 5x interessant, 1x lesenswert
BeMi: stark
2
07.03.06 13:03
#2 downup
Dizerkonca lebt seit 23 Jahren in Deutschland,
muß sich die Fragen aber übersetzen lassen.

Er ist Chefredakteur des sozialdemokratischen
Boulevardblattes "Milliyet" in Deutschland.

Das nenne ich Integration.  
bewertet: 2x interessant
Hungerhahn: Einige Fragen werden sich die Türken schon
 
07.03.06 13:10
#3 downup
gefallen lassen müssen, in Bezug auf unsere vermeintliche Islamfeindlichkeit:

Wieso beschützen deutsche Soldaten die Bosniaken und Kosovo-Albaner?

Wieso gestatten wir den Moslems das Tragen von Kopftüchern und die Errichtung islamischer Kulturzentren in Deutschland?

Wieso will die Mehrheit der im Bundestag vertretenen Parteien die Türkei in die EU aufnehmen?

Wieso ist selbst die CDU zu feige, das Thema "EU-Aufnahme der Türkei" zum Wahlkampfthema zu machen?

Antwort: Weil unsere bloße Existenz eine Beleidigung des Islams darstellt. Das haben Anfang des letzten Jahrhunderts die Armenier und Griechen erfahren müssen. Wenn die Türken in unserem Land erst die Mehrheit stellen, wird es lustig.  
Willi1: Aber ohne mich o. T.
 
07.03.06 13:12
#4 downup
Karlchen_I: Nur 3% der Türken lesen
 
07.03.06 13:13
#5 downup
türkische Zeitungen?
BeMi: Cem Özdemir
 
07.03.06 13:15
#6 downup
ist ein mutiger Mann!
Alle Achtung.

"Beim Thema Armenien hört der Spaß überhaupt auf.
Keine einzige türkische Zeitung spricht von Völkermord.
Der einzige türkischstämmige Politiker, der dies tut
- der Europaabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir -,
wurde als Verräter bezeichnet."
bewertet: 1x gut analysiert
Klaus_Dieter: Es ist wohl vieles auch eine Frage der Schicht
 
07.03.06 13:18
#7 downup
in der die jeweiligen Menschen leben!

Auch wenn es gewagt klingt, glaube ich , dass auch die hier lebenden Türken in der Masse nicht viel anders sind, als wir Deutschen.

Die Religion spielt auch bei den Türken, je jünger und länger sie in Deutschland ein immer unwichtigere Rolle, gleiches gilt für alt hergebrachte Sitten und Gebräuche, die auch in der Türkei selber, der staatlichen Ächtung ausgesetzt sind.

Man muss bedenken, dass die damals eingewanderten Gastarbeiter, wohl ehr die Menschen vom Lande waren, die, die auch im eigenen Land wenig Chancen auf Arbeit hatten, und zumeist wenig Schulbildung, geschweige denn gar eine Berufsausbildung hatten.

Sehr viele türkische Familien haben es dann doch in Deutschland "geschafft". Sie haben es zu Wohlstand gebracht und nicht wenige "Jüngere" im Alter von 25 bis 45 sind inzwischen in vielen Bereichen in anspruchsvollen Positionen. Es ist nichts besonders mehr, wenn es eine türkischstämmige Staatsanwältin, einen solchen Polizeibeamten, oder auch mal einen Abteilungsleiter einer Bank gibt.
Gemeinsam ist diesen Menschen ab, dass sie sich, wie wohl fast alle Deutschen auch, um Alltag auf die Arbeit und die wesentlichen Charaktereigenschaften konzentrieren, die wichtig sind, auch Führungsaufgaben zu übernehmen.

Die Menschen, die in sozial schlechten Verhältnissen leben, werden immer wieder und weiter schlechtere Chancen haben. Die Eltern sind oftmals eben die ersten die wieder auf der Strasse stehen, haben niedrig bezahlte Tätigkeiten, Alkohol und Spielsucht, sind oft da anzutreffen.

Die Kinder haben es ungleich schwerer einen "vernünftigen", oder auch nur einen Hauptschulabschluss nru erst zu erreichen. Das ist bei Deutschen, wie bei ausländischen Mitbürgern der Fall. Doch rein von dem statistischen Anteil, sind eben mehr Ausländer in den unteren sozialen Schichten anzutreffen. Und noch erschwerend, aufgrund der mangeldnen Deutschkenntnisse, wofür die Familien selber zu einen Grossteil verantwortlich sind, machen es jungen Ausländern noch schwerer, die Grundlage für ein vernünftiges Leben zu leben.  
bewertet: 1x gut analysiert
Klaus_Dieter: Ja der war sooo mutig, dass
 
07.03.06 13:20
#8 downup
er seine Eltern und seine Familie auf Kosten des Staates Fliegen liess!

"Beim Thema Armenien hört der Spaß überhaupt auf.
Keine einzige türkische Zeitung spricht von Völkermord.
Der einzige türkischstämmige Politiker, der dies tut
- der Europaabgeordnete der Grünen, Cem Özdemir -,
wurde als Verräter bezeichnet."  
Bankerslast: wir haben noch Winter, deshalb bißchen
 
07.03.06 13:23
#9 downup
"Schnee von Gestern". Aber immer wieder interessant zu lesen.

Und - wers lesen mag:

"Unsere gebärfreudigen Türkinnen" - Äußerungen von SPD-Kandidat Vural Öger

Äußerungen von SPD-Kandidat Vural Öger sorgen für Abwechslung und Ärger / Empörung vor allem bei Politikerinnen aus der Union

Im Programm der SPD zur Europawahl taucht das Wort Türkei nirgends auf. Um so höheren symbolischen Wert hat die Nominierung Vural Ögers. Obwohl erst vor einem Jahr in die Partei eingetreten, bekam der türkischstämmige Reiseunternehmer auf der bundesweiten EU-Wahlliste der SPD den sicheren zehnten Platz reserviert. In Hamburg ist der 1942 in Ankara geborene Öger gar SPD-Spitzenkandidat. Jetzt sorgte er mit einer unbedachten Bemerkung in der Partei erstmals für Unmut. „Was Sultan Süleyman mit der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir mit unseren kräftigen Männern und geburtenfreudigen Türkinnen verwirklichen“, sagte Öger kürzlich bei einem Essen türkischer Unternehmer, zu dem der türkische Pressezar Aydin Dogan in Frankfurt eingeladen hatte.


Die brisante Äußerung wäre wohl nie an die Öffentlichkeit gelangt, hätte nicht das Massenblatt Hürriyet den Satz gedruckt. Ein türkischer Journalist, der mit am Tisch gesessen hatte, kolportierte Ögers Worte über Sultan Süleyman und die gebärfreudigen Türkinnen. Zudem wurde Öger mit der Prognose zitiert, in hundert Jahren werde die deutschstämmige Bevölkerung in der Bundesrepublik in die Minderheit geraten. „Es wird erwartet, daß im Jahre 2100 die Zahl der Türken in Deutschland 35 Millionen und die Zahl der Deutschen 20 Millionen betragen wird.“ Später korrigierte Öger diese Aussage. Er habe nicht von Türken, sondern von „Menschen ausländischer Herkunft“ gesprochen.

Aus dem Hürriyet-Artikel sickerten die umstrittenen Zitate alsbald in die deutschen Medien. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) brachte einen Kurzbeitrag, das Hamburger Abendblatt titelte „Nur ein Witz? Wirbel um Öger-Äußerungen“. Unter der Überschrift „Wirbel um SPD-Politiker: Deutsche Frauen gebärfaul?“ brachte das Boulevardblatt Bild die Nachricht verkürzt und unvollständig.

„Ironie und Politik vertragen sich nicht miteinander“

Öger reagierte verunsichert. Seine Bemerkung sei ironisch und witzig gemeint gewesen, versicherte der Politneuling auf Nachfrage des NDR. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich gerade mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) auf einer Istanbul-Reise. Den Satz, die Eroberung Sultan Süleymans würde heute durch türkische Bevölkerungsexpansion fortgesetzt, so Öger, habe er scherzend mit Blick auf einen deutschen Historiker geäußert, der den EU-Beitritt der bald 75 Millionen Türken verhindern wolle. Er bedauere, erklärte Öger, daß das Zitat aus dem Zusammenhang gerissen und mißverstanden worden sei. Aus der SPD-Zentrale und vom Hamburger SPD-Vorsitzenden Olaf Scholz sei er jetzt gewarnt worden, Ironie und Politik vertrügen sich nicht miteinander.

Nervös reagierte Öger besonders auf Vorwürfe, er ziehe Parallelen zwischen der türkischen Einwanderung beziehungsweise demographischen Dynamik und den Versuchen der Osmanen, Europa militärisch zu erobern. Solche Unterstellungen machten ihn „betroffen“. Er sei kein türkischer Nationalist, versicherte Öger. Keinesfalls begrüße er eine Überfremdung Deutschlands über eine hohe Geburtenrate eingewanderter Türkinnen. Vielmehr sei er um die Stabilität des Rentensystems besorgt. „Es geht einfach nicht, daß 40 von 100 deutschen Frauen keine Kinder machen, daß unsere Renten in Gefahr sind“, so erklärte Öger im „Hamburg Journal“ des NDR.

Nicht der „Sultan-Scherz“, sondern Ögers Auslassungen zur demographischen Schieflage in Deutschland veranlaßten die Bild-Zeitung zu einer absurden Kampagne. Sie legte Öger die Formulierung „Deutsche Frauen gebärfaul“ in den Mund und inszenierte dazu auf der Titelseite empörte Kommentare. Es sei „frauenfeindlich“, entrüsteten sich dort SPD- und CDU-Politikerinnen, Frauen auf die Rolle von „Gebärmaschinen“ zu reduzieren. Gar als „Schlag ins Gesicht der Frauen in der westlichen Welt“ bezeichnete die saarländische CDU-Sozialministerin Annegret Kramp-Karrenbauer Ögers nachgeschobene Klage über den deutschen Kindermangel.

Knapp zwei Drittel aller Türken unterstützen die SPD

Die wirklich brisanten Aussagen präsentierte Bild erst einen Tag später. Ögers angeblich ironisches Bekenntnis zur demographischen Überlagerung Deutschlands durch „geburtenfreudige Türkinnen“ erfuhren die Leser nur zum Teil. Gerade mit Blick auf den möglichen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union könnte das umstrittene Zitat den Ausgang der Europawahl am 13. Juni beeinflussen. Ankaras Drängen nach Europa und auf eine EU-Vollmitgliedschaft wird nach Umfragen vom deutschen Wähler mehrheitlich abgelehnt.

Von der Kandidatur Ögers und anderer Türken weit oben auf der SPD-Liste verspricht sich die Partei von Kanzler Schröder Stimmengewinne bei eingebürgerten Türken. Rund eine halbe Million türkischer Einwanderer besitzen mittlerweile einen deutschen Paß, Jahr für Jahr steigt ihre Zahl um mehr als 50.000. Bei der Bundestagswahl 1998 siegte die rot-grüne Bundesregierung nur dank ihres deutlichen Vorsprungs bei türkischen Wählern. Seit der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts 1999 stiegen die Einbürgerungen von Ausländern deutlich an. Waren es bis 1998 stets unter 100.000, sprang die Zahl im Jahr 2000 kurzzeitig auf einen Höchstwert von fast 187.000. Im vergangenen Jahr gab es 140.000 Einbürgerungen, Türken stellten davon bei weitem die größte Gruppe.

Laut einer aktuellen Umfrage des Essener Zentrums für Türkei-Studien unterstützen 57 Prozent der türkischen Neubürger die SPD, ein sehr hoher Zustimmungswert im Gegensatz zum SPD-Umfragetief bei den autochthonen deutschen Wählern. Weit abgeschlagen von den Sozialdemokraten rangieren die Unionsparteien bei eingebürgerten türkischen Wählern mit 18 Prozent.

Die größte Oppositionspartei kommt damit nur knapp vor den Grünen, denen laut der Umfrage 17 Prozent zuneigen. Der Grund für die geringe Zustimmung der eingebürgerten türkischen Wähler zu CDU und CSU liegt wohl nicht an deren christlichen Prägung, sondern am vorläufigen Nein der Unionsparteien zur türkischen Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union.
bewertet: 1x interessant
Hungerhahn: @bankerslast
 
07.03.06 13:28
#10 downup
vorläufiges Nein der CDU zur EU-Mitgliedschaft der Türkei:

Das kommt davon, wenn man es allen recht machen will.

Für ein entschiedenes Nein zu feige, für ein Ja zu verlogen.
bewertet: 1x gut analysiert
Happy End: Jetzt fehlt noch der Bericht
 
07.03.06 13:58
#11 downup
"Das Türkenbild der BILD-Zeitung"    *g*
Bankerslast: für Dich Happy *g*
 
07.03.06 14:04
#12 downup
aus der Bild von heute: Schäuble "Ich bin glücklich Deutscher zu sein"


Angehängte Grafik: Schäuble.jpg
Schäuble.jpg
bewertet: 1x informativ
BeMi: Sry, Happy End, ich hab die
 
07.03.06 14:23
#13 downup
Quelle für P 1 vergessen.
Natürlich das reaktionäre Springer-Blatt:
http://www.welt.de/data/2006/03/07/856122.html
BeMi: Die Autorin erst
 
07.03.06 14:32
#14 downup
Mariam Lau (1962)

Chefkorrespondentin

Wie aus der Enkelin eines Teheraner Polizeipräsidenten und eines Schwelmer Uhrmachers, die als Zweijährige 1964 in die Turbulenzen der Berliner Studentenbewegung geriet, eine Kolumnistin bei der WELT wurde?
Nun, dem Vater, der noch am Sturm auf das Springer-Hochhaus 1968 beteiligt war, kann man es gewiß nicht in die Schuhe schieben.
Das Intermezzo als Krankenschwester in der Spandauer Psychiatrie wird es auch nicht gewesen sein (obwohl es durchaus hilft).
Eher schon waren da ein Studium am Berliner Kennedy-Institut (Amerikanistik) mit anschließendem freischweifenden Stipendienverbrauch im Mittleren Westen der USA und nervenaufreibendem Volontariat in New York verantwortlich.
Geholfen haben auch sieben fette Jahre im Kulturressort der Berliner "Tageszeitung", wo man - neben äußerst ökonomischen Arbeitsweisen - den Panikanfällen und Orthodoxien des links-alternativen Milieus mit Hilfe einiger lach- und schlagfertiger Kollegen Paroli zu bieten lernt.
Den charmantesten von ihnen geheiratet und mit drei unerschrockenen Töchtern umstellt zu haben hat sicher auch nicht geschadet.
Ausschlaggebend war allerdings die Entdeckung der immer weiter aufreißenden Kluft zwischen links und liberal - die Ressentiments des Feminismus, des Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antizionismus machten den Schritt über die Kochstraße - wo taz und Springer sich noch immer gegenüberstehen - dann irgendwann zu einem Freudensprung. Dieser reichte dann im März 2004 glatt bis in die 15. Etage ins Forum der WELT. Nach knapp zwei Jahren Meinungsfreude zurück ins wirkliche Leben: als Chefkorrespondentin im Parlamentsbüro.


bewertet: 1x informativ
BeMi: Karlchen, zu P 5
 
07.03.06 14:41
#15 downup
Wie kommst Du auf nur 3 %?
Ich schätze, Du hast die einzelnen
Auflagen addiert.
Aber die Reichweite wird bedeutend höher
sein:
Ein sparsamer Großclan teilt sich eine Zeitung.
Odda?

Grüße
B.
bewertet: 1x gut analysiert
Happy End: @BeMi
 
07.03.06 14:44
#16 downup
Dass der Artikel aus der Welt stammt, war mir schon bekannt. Das Deutschlandbild türkischer Boulevardblätter wird aber eben auch nicht anders sein als umgekehrt das Türkenbild hiesiger Boulevardblätter. Das wollte ich damit sagen ;-)
ramozano: man kann schon
 
07.03.06 14:45
#17 downup
förmlich euren Angstschweiss auf der Stirn sehen  
BeMi: Stimmt, HE, in P 1
 
07.03.06 14:46
#18 downup
steht ja auch:

"Die sachlichste, anspruchsvollste und gesprächsbereiteste türkische Tageszeitung ist eindeutig die islamische "Zaman" (Die Zeit) - hier wenig bekannt, in der Türkei aber die drittgrößte.
Sie wird hauptsächlich von türkischen Intellektuellen gelesen.
In "Zaman" wird immer wieder gegen Terror im Namen des Islam agitiert, für Bildungsehrgeiz, Engagement in der deutschen Gesellschaft, für Demokratie und gegen Despotie in der islamischen Welt.
Ein Kopftuch für die moslemische Frau sei keineswegs nötig.
Die Redakteure sind Anhänger des moderaten Predigers Fethulla Gülen, der inzwischen - angeblich aus gesundheitlichen Gründen - in den USA lebt."
Happy End: Hat Frau Lau zwei Väter?
 
07.03.06 14:50
#19 downup
"Wie aus der Enkelin eines Teheraner Polizeipräsidenten und eines Schwelmer Uhrmachers (...) eine Kolumnistin bei der WELT wurde?"    *g*


PS: Gut, dass die "Welt" so liberal ist.... *ggggg*

"Ausschlaggebend war allerdings die Entdeckung der immer weiter aufreißenden Kluft zwischen links und liberal - die Ressentiments des Feminismus, des Antikapitalismus, Antiamerikanismus und Antizionismus machten den Schritt über die Kochstraße - wo taz und Springer sich noch immer gegenüberstehen - dann irgendwann zu einem Freudensprung. Dieser reichte dann im März 2004 glatt bis in die 15. Etage ins Forum der WELT. Nach knapp zwei Jahren Meinungsfreude zurück ins wirkliche Leben: als Chefkorrespondentin im Parlamentsbüro.
"

   
Happy End: #18: Stimmt, BeMi
 
07.03.06 14:52
#20 downup
BeMi: Kann sein, HE, daß Du nur
 
07.03.06 14:56
#21 downup
einen Opa hast, aber
ich versteh das so:
Der eine Opa kommt aus Teheran,
der andere aus Schwelm.
Oder?
http://www.schwelm.de/
Happy End: Stimmt auch - sorry ;-) o. T.
 
07.03.06 14:58
#22 downup
Hungerhahn: @HE #6
 
07.03.06 19:14
#23 downup
Wenn sich eine deutsche Boulevardzeitung trauen würde, über Türken in einer dem Fanatik, Hürryet etc. entsprechenden Weise zu schreiben, dann hätten etliche Kolumnisten Strafverfahren wegen Volksverhetzung am Hals.
Hungerhahn: #16 meine ich natürlich o. T.
 
07.03.06 19:16
#24 downup
BeMi: so isses, Hungerhahn, Grüße o. T.
 
07.03.06 19:17
#25 downup
 
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